Vor 30 Jahren schlug die Geburtsstunde des „Smart Homes“

Digitale Gebäudesteuerung und Gira

Radevormwald, 20. August 2020. Von unterwegs per Smartphone-App die Wohnzimmertemperatur regeln oder nachschauen, wer gerade an der Haustür geklingelt hat, via Sprachsteuerung die Musikanlage bedienen oder beim Verlassen des Hauses alle Lichter in den eigenen vier Wänden auf einen Schlag ausschalten, Jalousien, die je nach Sonneneinfall selbsttätig hoch- oder herunterfahren – nach wie vor klingen diese Szenarien nach Zukunftsmusik. Dabei wurden die Grundlagen für das vernetzte „Smart Home“ bereits vor 30 Jahren gelegt. Maßgeblich mit daran beteiligt war der Gebäudetechnikspezialist Gira (www.gira.de) aus Radevormwald, der international seither als einer der „Smart Home“-Pioniere gilt.

Pionierarbeit „Made in Germany“
In dem mittelständischen Technologieunternehmen waren es seinerzeit vor allem die beiden Geschäftsführer Werner und Helmut Giersiepen, die – ausgestattet mit einem ausgeprägten Gespür für zukünftige Marktentwicklungen – in der Gebäudeautomation und vernetzten Haustechnik sowohl von Gewerbe- als auch Wohnbauten große Chancen sahen. „Beide haben Ende der 1980er Jahre erkannt, dass das damals noch ganz in seinen Anfängen steckende World Wide Web bis dahin unbekannte Möglichkeiten für die vernetzte Elektroinstallationstechnik erschließen, aber eben auch ganz neue Anforderungen mit sich bringen würde“, erinnert sich Diplomingenieur Karl Harald Kleinert von der Gira Akademie an die Anfänge des „Smart Homes“ vor drei Jahrzehnten.

Auch angesichts der Herausforderungen hat man seinerzeit bewusst den Zusammenschluss mit anderen Herstellern gesucht. Neben Gira gehörten die Schalterhersteller und damit Wettbewerber Berker, Jung und Merten sowie Siemens zu dieser Gruppe von Vorreitern der digitalen Gebäudesystemtechnik. Ziel ihrer Zusammenarbeit war es,
gemeinsam ein herstelleroffenes System zur Vernetzung und Steuerung von Gebäudefunktionen zu schaffen. Getragen wurde die Zusammenarbeit der Konkurrenten von der Vision, mit gemeinsamen Anstrengungen und gemeinsam finanzierter Entwicklungsarbeit einen Markt zu erschließen, der damals nur in sehr bescheidenen Ansätzen vorhanden war.

Globaler Standard
Mit großem Erfolg: Denn aus dieser Kooperation ist ein System entstanden, das seit 1990 einen Siegeszug rund um den Globus angetreten hat. KNX, das zunächst Instabus, dann Europäischer Installationsbus (EIB) hieß, ist heute weltweiter Standard, wenn es um die digitale Vernetzung von Gebäuden geht. 495 Hersteller auf allen Kontinenten gehören dem KNX-Netzwerk an und tragen mit über 8.000 intelligenten KNX-Produkten zur digitalen Automation von Großbauten wie etwa der Hamburger Elbphilharmonie oder des Stephansdoms in Wien, aber auch zahlloser privater „Smart Homes“ bei. Dafür sorgen weltweit rund 90.000 sogenannte Systemintegratoren, die auf die Programmierung, Parametrierung und Installation intelligenter Lösungen für „Smart Buildings“ nach dem KNX-Standard spezialisiert sind.

Dabei besitzt das aus den Anfängen stammende Grundprinzip eines herstelleroffenen Systems bis heute uneingeschränkte Gültigkeit: Alle Entwicklungsdokumente, die ein Hersteller von KNX-Produkten benötigt, sind frei zugänglich – sowohl für Großunternehmen als auch für kleine Nischenanbieter oder junge Start-ups. Ebenso steht allen Mitgliedern der KNX-Vereinigung seit den frühen 1990er Jahren eine einheitliche Programmier-Software zur Verfügung. „Mit der standardisierten Engineering-Tool-Software, der ETS, ist sichergestellt, dass sich Komponenten verschiedener Hersteller miteinander verständigen können und somit problemlos interagieren“, erklärt Karl Harald Kleinert.

Internetanbindung für die Gebäudetechnik
Ein gewaltiger Sprung nach vorn in der digital vernetzten Gebäudetechnologie verdankt sich einer Entwicklung aus Radevormwald. Vor 20 Jahren präsentierte Gira mit der zweiten Generation seines HomeServers das damals weltweit erste Gerät, das die Haustechnik direkt an das Internet anbinden konnte. „Hier wuchs zusammen, was zusammengehört. Denn Steuerung und Bedienung wurden dadurch deutlich einfacher“, ist Markus Fromm-Wittenberg, bei Gira maßgeblich für die Entwicklung des HomeServers verantwortlich und Mitglied im Vorstand von KNX Deutschland, überzeugt. Nicht von ungefähr hat das in über 40 Ländern aktive Technologieunternehmen seinen HomeServer – mittlerweile in der vierten Generation – nach wie vor im Programm und mit dessen „kleinem Bruder“, dem kompaktem Gira X1, inzwischen ein zusätzliches Marktsegment erschlossen.

Anfang des 21. Jahrhunderts folgten in schneller Abfolge die Einbindung von zunächst Handys, dann Smartphones und Tablets. „Vor allem die Bedienung über Apps hat Komfort und Visualisierung verbessert und das Handling deutlich vereinfacht“, hebt Entwickler Fromm-Wittenberg hervor.

„Eine Nasenlänge voraus“
Hier zeigt sich, dass KNX auch 30 Jahre nach Gründung noch keineswegs in die Jahre gekommen ist. Dies liegt daran, dass der Standard sowohl für aktuelle technologische Entwicklungen – zum Beispiel mit Blick auf das „Internet der Dinge“ – als auch für wechselnde Anforderungen des Marktes offen bleibt und beständig weiterentwickelt wird. So sorgt etwa KNX IP Secure für Datensicherheit im vernetzten Gebäude. „Als weltweit erste hersteller- und anwendungsunabhängige Lösung gemäß der Norm EN ISO 22510“, erklärt Markus Fromm-Wittenberg, „womit wir anderen wieder die berühmte Nasenlänge voraus sind.“

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Über Gira
Die Gira Giersiepen GmbH & Co. KG (www.gira.de) mit Sitz in Radevormwald zählt zu den führenden Komplettanbietern intelligenter Systemlösungen für die elektrotechnische und vernetzte digitale Gebäudesteuerung. Mit seinen zahlreichen Entwicklungen prägt und beeinflusst das Familienunternehmen seit seiner Gründung im Sommer 1905 die Welt der Elektroinstallation und Gebäudesteuerung. Der zukunftsträchtigen Entwicklung zu intelligent vernetzten „Smart Building Systemen“ und zur Digitalisierung von Gebäuden hat Gira mit vielfältigen Innovationen wie etwa dem Gira HomeServer von Beginn an maßgebliche Impulse gegeben. Dabei stehen Gira Produkte und Lösungen für deutsche Ingenieurskunst, für Qualität „Made in Germany“, für nachhaltige Prozesse bei ihrer Herstellung und einen möglichst umwelt- und ressourcenschonenden Betrieb, für Perfektion in Form und Funktion – vor allem aber dafür, dass sie den Menschen das Leben ein Stück einfacher, komfortabler und sicherer machen. Nicht umsonst finden Schalter, Steuerungs-, Kommunikations- und Sicherheitssysteme von Gira heute in rund 40 Ländern Anwendung, etwa in der Hamburger Elbphilharmonie, im Olympia-Stadion in Kiew, im Stephansdom in Wien und im Banyan Tree Hotel in Schanghai. Dank des umfassenden Know-hows im Bereich Kunststofftechnik stellt Gira heute zudem komplexe Systemprodukte aus Kunststoff für die Medizintechnik her. Zur Gira Gruppe gehören darüber hinaus die Tochtergesellschaft Stettler Kunststofftechnik in Burgwindheim sowie die Beteiligungen Insta Elektro in Lüdenscheid, das Softwareunternehmen ISE in Oldenburg und das Start-up-Unternehmen Senic in Berlin. Zusammen erwirtschaften damit ca. 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Jahresumsatz von mehr als 350 Millionen Euro (2019).

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Gira zählte 1990 zu den Begründern des KNX-Systems. Das Einsteigerset brachte den Fachkunden die Technologie näher. (Foto: Gira)

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Zum neuen KNX-System steuerte Gira 1990 ein ganzes Sortiment unterschiedlicher Sensoren, Regler und mehr bei. (Foto: Gira)

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Der erste Gira KNX Tastsensor Gira steuerte Licht, Jalousie und Lüftung im digital vernetzten Zuhause. (Foto: Gira)

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Wie sein „großer Bruder“, der Gira HomeServer, bindet auch der X1 die Haustechnik direkt an das Internet an. (Foto: Gira)

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